Hydroponik Grundlagen

Die Kunst des erdlosen Gärtnerns.

Hydroponik ist eine moderne Anbaumethode, die es ermöglicht, Pflanzen ohne traditionelle Erde zu züchten. In diesem Beitrag erfährst du alles, was du über die Hydroponik wissen musst.

Was bedeutet Hydroponik?

Im Kern bedeutet Hydroponik (Hydrokultur) das Wachstum von Pflanzen, bei dem die Wurzeln in einer nährstoffangereicherten Wasserlösung hängen oder durch sie versorgt werden.

Als mechanische Stütze für die Pflanzen werden inerte (neutrale) Medien verwendet, wie zum Beispiel Steinwolle, Kokosfasern oder Perlit. Diese Materialien bieten den Wurzeln Halt, beeinflussen aber im Gegensatz zu Erde nicht die Nährstoffchemie der Lösung.

Die wichtigsten Hydroponik-Systeme im Überblick

Es gibt viele verschiedene Arten von Hydrokultursystemen, die jeweils eigene Vor- und Nachteile haben. Sie lassen sich grob in offene (nicht rezirkulierende) und geschlossene (rezirkulierende) Systeme unterteilen.

Hydroponik Turm

Die meisten kommerziellen und Heimsysteme, insbesondere vertikale Türme, nutzen ein geschlossenes Kreislaufsystem.

Das Wasser wird mithilfe einer Pumpe im System zirkuliert. Die Nährlösung wird zum Beispiel vom Reservoir zur Spitze des Turms gepumpt und fließt dann, der Schwerkraft folgend, an den Pflanzenwurzeln vorbei zurück in das Reservoir, wo es wiederverwertet wird. Dies führt zu einer massiven Wassereinsparung und einem reduzierten Bedarf an Nährstoffen im Vergleich zum Anbau im Boden.

DWC (Deep Water Culture/Tiefwasserkultur)

Bei diesem System hängen die Wurzeln der Pflanzen ständig in einem tiefen Wasserreservoir. Um sicherzustellen, dass die Wurzeln genügend Sauerstoff erhalten und nicht faulen, muss das Wasser durch eine Luftpumpe und einen Sprudelstein kontinuierlich belüftet werden.

NFT (Nutrient Film Technique/Nährstofffilmtechnik)

Hier fließt ein sehr dünner Film der Nährlösung durch flache Rinnen oder Kanäle, in denen die Pflanzen sitzen. Die Wurzeln liegen nicht vollständig unter Wasser, sondern sind nur von einem dünnen Film bedeckt, wodurch sie gleichzeitig Luft (Sauerstoff) aufnehmen können.

Aeroponik-System

Dies ist eine fortschrittliche Form der Hydroponik. Die Pflanzenwurzeln hängen komplett frei in der Luft. Die Nährlösung wird dann in bestimmten zeitgesteuerten Intervallen in Form von feinem Nebel oder fallenden Tropfen (wie bei vielen vertikalen Türmen) direkt auf die Wurzeln gesprüht oder geleitet. Dies ist ideal, da die Wurzeln viel Luft ausgesetzt sind.

Messen und Überwachen des Wassers

Da das Wasser in der Hydroponik der alleinige Träger aller lebenswichtigen Elemente ist, ist die Überwachung seiner chemischen Eigenschaften unerlässlich.

Die Messung des PH-Werts

Der PH-Wert gibt an, wie sauer oder alkalisch Ihre Nährlösung ist. Dies ist einer der wichtigsten Faktoren in der Hydrokultur.

  • Die Rolle des PH-Werts: Der PH-Wert ist direkt damit verbunden, wie gut Ihre Pflanzen Nährstoffe aus dem Wasser aufnehmen können. Ist der PH-Wert falsch, kann die Pflanze die Nährstoffe nicht richtig verwerten, selbst wenn genügend davon vorhanden sind.
  • Optimaler Bereich: Die meisten Hydrokulturpflanzen gedeihen am besten in einem leicht sauren Bereich. Wenn Sie zu weit vom optimalen Bereich abweichen, kann das Wachstum Ihrer Pflanzen beeinträchtigt werden.
  • Werkzeug: Um den PH-Wert konstant und genau zu überwachen, benötigen Sie ein digitales PH-Messgerät wie im Bild zu sehen.

EC/TDS: Die Nährstoffkonzentration

Um die Menge der gelösten Nährstoffe im Wasser zu messen, verwenden Sie die Kennwerte EC (Elektrische Leitfähigkeit) oder TDS (Total Dissolved Solids).

  • Was es misst: Dieses Gerät misst die Gesamtmenge aller gelösten mineralischen Salze in Ihrer Nährlösung. Einfach gesagt, es sagt Ihnen, wie „stark“ Ihre Düngerlösung ist.
  • Warum es wichtig ist: Der Nährstoffgehalt nimmt ab, wenn die Pflanzen wachsen und die Salze aufnehmen. Wenn der Wert zu niedrig ist, verhungern die Pflanzen; ist er zu hoch, können die Wurzeln verbrennen. Durch die Messung können Sie Nährstoffe hinzufügen, um im Zielbereich zu bleiben.
  • Wartung: Sie müssen diese Werte regelmäßig überprüfen, insbesondere wenn Sie frisches Wasser nachfüllen oder neue Nährstoffe hinzufügen.

Der richtige Dünger

Eine der wichtigsten Regeln für Hydrokultur-Anfänger betrifft die Art des verwendeten Düngers.

Mineralischer Dünger für Hydrokulturen

  • Die klare Empfehlung: Für Hydrosysteme ist ausschließlich mineralischer Dünger (anorganische Salze) zu verwenden.
  • Das No-Go: Sie dürfen keinen organischen Dünger benutzen (z. B. Bio-Dünger). Organische Stoffe, die nicht von den Pflanzen aufgenommen werden, führen in geschlossenen Wassersystemen schnell zur Algenbildung und zum Wachstum von zu vielen Bakterien und Mikroben. Das System wird dadurch extrem schwer handhabbar und kann Krankheitsausbrüche fördern.
  • Anwendung: Mineralische Dünger werden oft als konzentrierte A- und B-Lösungen (Zwei- oder Drei-Komponenten-Dünger) gekauft und dann gemäß den Anweisungen verdünnt und dem Reservoir zugeführt, um die gewünschte Nährstoffkonzentration zu erreichen.

Nachteile der Hydroponik

Trotz der Vorteile stellt die Hydroponik einige Herausforderungen dar, die hauptsächlich technischer Natur sind.

  • Kosten: Die Kapitalkosten für die Anschaffung eines Hydrokultursystems sind in der Regel viel höher als für den traditionellen Bodenanbau.
  • Technisches Wissen: Der erfolgreiche Anbau erfordert die Bereitschaft, sich mit den Grundlagen der Nährstoffchemie (PH- und EC-Werte) vertraut zu machen. Ohne diese Kenntnisse kann der Ertrag enttäuschend sein.
  • Krankheitsrisiko: Das geschlossene Kreislaufsystem, das Wasser spart, kann auch Krankheitserreger wie den wärmeliebenden Pilz Pythium (Wurzelfäule) extrem schnell im gesamten System verteilen, wenn die Wassertemperatur zu hoch wird.
  • Wartung: Regelmäßige Wartung wie die Überprüfung des Wasserstands, das Anpassen der Nährstoffwerte und das Freihalten der Pumpe von Wurzeln ist unerlässlich. Wenn die Pumpe ausfällt oder verstopft, können die Pflanzen, deren Wurzeln in der Luft hängen, schnell austrocknen und absterben.

Vorteile der Hydroponik – Warum ohne Erde anbauen?

Die Hydroponik bietet entscheidende Vorteile gegenüber der traditionellen Landwirtschaft, insbesondere in Bezug auf Effizienz.

  • Wassersparen: Durch das geschlossene Kreislaufsystem wird das Wasser kontinuierlich wiederverwertet, was zu einer massiven Wassereinsparung führt.
  • Platzersparnis und Dichte: Besonders in vertikalen Systemen können Sie auf minimaler horizontaler Grundfläche eine sehr hohe Anzahl an Pflanzen pro Quadratmeter anbauen.
  • Schnelleres Wachstum: Da die Wurzeln jederzeit direkten Zugang zu Wasser, Nährstoffen und Sauerstoff haben, wachsen Pflanzen oft schneller und liefern höhere Erträge.
  • Sauberer Anbau: Der Anbau ohne Erde reduziert den Bedarf an Pestiziden und Herbiziden, was zu sichereren und gesünderen Lebensmitteln führt.
Cookie Consent mit Real Cookie Banner